Der geheime Spot der keiner ist.

Es gibt unzählig viele Plätze. Um ein paar zu nennen: Marktplätze, Sitzplätze, Umschlagplätze oder auch Parkplätze. Ich erhebe hier keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Bestimmt hat auch jeder seinen Lieblingsplatz. Einen Platz für jede Lebenslage. Es soll ja auch Leute mit dem sprichwörtlichen Platz an der Sonne geben. Die genauen Koordinaten sind mit allerdings unbekannt. Manch anderer bevorzugt auch lieber den Platz an der Bar. Zugegeben, auch ich mag den hin und wieder. Gern mit einem guten Freund und bei einem guten Gespräch. Hier und da kann man noch die Säufer von nebenan ansprechen und ruckzuck hat man ein abendfüllendes Programm. Gar nicht so schlecht mit diesen Plätzen. Läuft!

Dann gibt es noch den einen Platz an dem man gern alleine ist, zum Nachdenken, Innehalten, laut schreien oder eben einfach nur alleine sein. Dieser eine Platz den Du mal bei einem Spaziergang, auf einer Radtour oder beim Pinkeln gefunden hast, weil der Heimweg noch zu lang war und du eine ruhige Stelle gesucht hast. Einen Platz den so schnell keiner findet und kennt. Hier findest Du den Kanal in dein Innerstes, Zugang zu deinen Gefühlen. Du kannst Gedanken und Probleme erfassen, sortieren und bewältigen. Wenn Du willst, ist das der Schrein zu deiner Seele. A place to be! Works for me.

Ab und an gibt es noch die Plätze, die man zu zweit findet und sagen wir entweiht. Du liegst mit Freundin am Strand und plötzlich überkommt es Dich. Die Hand krabbelt vom Unterschenkel zum Oberschenkel und auf einmal ist sie unterm Handtuch. Vollkommen unauffällig und ganz bestimmt schaut auch keiner hin. Der Reiz liegt ja bekanntlich im Verborgenen und irgendwie macht es einen ziemlich an, dass zwar jeder zusehen kann aber kein weiß ob wirklich was passiert. Und während ich langsam in die Gedankenwelt abgleite höre ich nur von nebenan: „Papa, was macht der Mann da bei der Frau?“ – Das ist der Titantic-Moment. Du denkst, Dich stören all die Leute um Dich herum nicht die Bohne, und dann krachst Du gegen einen Eisberg. Aber der Kapitän verlässt das sinkende Schiff nicht. Er rennt zum Steuer und versucht das Ruder herum zu reißen. Es nützt nichts. Irgendjemand hat scheinbar „Frauen und Kinder zuerst!“ gerufen und mit festem Druck pressen beide Oberschenkel meine Hand zusammen.

„Lass uns ein anderes Plätzchen suchen.“

Gut, es war wohl doch nur ein kleiner Eisberg und der Schaden liegt nur oberhalb der Wassergrenze. Also schnell die Sachen gepackt und auf die andere Seite des Sees, dort wo es nur ein paar Bäume, hohes Gras und keinen Sandstrand mit hunderten von Leuten gibt. Nach einer Weile im hohen Gras, zwischen den Bäumen angekommen und die Decke ausgebreitet geht es mit der Bootstour weiter. Hier hat man bestimmt seine Ruhe. Nun nochmal von vorn aber jetzt mit 1 1/2 facher Geschwindigkeit. Küsschen hier und Küsschen da, Unterschenkel, Oberschenkel, die Hand tief im Schritt. Gerade als noch der letzte Fetzen Stoff fallen soll vernehme ich ein lautes Stöhnen. Kurzer Blick über das Gras –  Nichts zu sehen. Ich schaue mich mit meiner Freundin fragend an und will gerade weiter machen…

„Ja, ja, ah!“

„Schau mal nach!“

Mit sparsamen Blicken beuge ich mich der Aufforderung. Während ich bekleidet mit nur noch der abstehenden Badehose aufstehe und über das Gras schaue, zieht sich meine Freundin, nun doch vom großen Eisberg erfasst, ihre Sachen wieder an. Keine hundert Meter entfernt raschelt das Gras und mich schaut eine vollkommen entsetzte Brünette mit ihren blanken Brüsten an. Sie gibt einen kurzen aber lauten Schrei ab und taucht wieder unter. Es raschelt diesmal etwas mehr. Offenbar ziehen sich beide ziemlich überhastet an. Jawohl, jetzt kommt auch ihr Typ, der etwas verlegen in meine Richtung winkt, aus der Versenkung und beide verschwinden schnellen Schrittes Richtung Straße.

Mit einem Lachen rufe ich noch hinterher „Wir hätten soviel Spaß zusammen haben können.“, ehe beide verschwinden. Offenbar wollten sie das aber nicht mehr hören.

Wieder was fürs Leben gelernt. Wenn Dich bei 30 Grad im Schatten der Eisberg trifft, dann war es wohl der falsche Platz. So gibt es wohl einige Plätze an denen man sich unbeobachtet und alleine fühlt aber ob du wirklich richtig stehst…. siehst Du, wenn die falschen Brüste übers Gras schauen. *die Ferkel*

Ich bin jetzt wieder an der Bar.